Posts by cycgo

    Es ist vom heimischen Sofa immer leicht zu sagen "zeig mal ein wenig Moral" wenn man nicht selber in dieser Situation ist.

    Ist es nicht noch ein kleines bisschen leichter, vom heimischen Sofa keine Moral zu fordern?

    Sehr cool, Glückwunsch! Chip-Ins (oder lange, fallende Putts) halte ich auch für das ultimative Golfglück - habe aber auch noch nie ein Hole in One geschlagen 😉.


    Mir ist gerade eine schöne Übung in den Sinn gekommen, die Pádraig Harrington während des ersten Lockdowns in einer Videoserie beschrieben hat.:

    Man nehme ein Chippinggrün und z.B. 5 Bälle. Nun markiert man auf dem Grün zwei parallele Linien (Abstand z.B. 10 m). Das kann bei einem kleineren Chippinggrün aber auch Grünanfang und -ende sein. Die Aufgabe lautet: Chippe alle Bälle so, dass sie hinter der ersten Linie und dem zuvor gespielten Ball, aber vor der zweiten Linie liegenbleiben.


    Die Übung ist ziemlich anspruchsvoll, allerdings kann man den Schwierigkeitsgrad durch die Anzahl der Bälle oder den Abstand die Linien regulieren.

    Wenn ein Drittel des Feldes eine Runde spielt, die gut genug für Rory gewesen wäre, dann heißt das sehr eindeutig, dass er unter den gegebenen Bedingungen verhältnismäßig schlecht gespielt hat - egal, ob da auch der eine oder andere Spieler Glück hatte, was ziemlich wahrscheinlich der Fall ist, denn das gehört beim Golf einfach dazu.


    Wie ich schon sagte: Mit mehr Glück hätte Rory natürlich gewinnen können. Aber das war niemals auch nur im Ansatz mein Punkt. Sondern: Er hat am Sonntag schlecht gespielt und nicht Pech gehabt. Ausschließlich die Tatsache, dass er die drei Tage zuvor brilliert hat, machte es möglich, dass er mit Glück noch etwas hätte ausrichten können.

    Und genau darum geht es in der ganzen Diskussion. Natürlich kann Rory bessere Runden spielen, und hier geht es auch nicht um schönreden. Nur darum, dass das Stechen bei den Open nur Nuancen entfernt war.

    Das ist doch immer so: mit mehr Glück geht alles. Ich meine: war das Eagle aus dem Bunker Können? Oder Glück? Natürlich beides.


    Aber darum geht es bei der Diskussion eben nicht, sondern darum, ob er gut gespielt hat. Und das hat er nicht. Ein Drittel des Feldes (27 Spieler) hat Runden gespielt, die für‘s Playoff oder den Sieg gereicht hätten. Das war kein Pech.


    Und dennoch: Mit Glück hätte es reichen können.

    Herrje. Ok, ihr habt alle Recht. Rory hat gestern super geputtet, top Annäherungen gespielt und es war einfach eine kosmische Ungerechtigkeit, dass lediglich 3 Spieler aus der Top 20 gestern eine schlechtere Runde gespielt haben.


    Er sprach explizit davon, dass er die Breaks falsch eingeschätzt hat. Das ist etwas völlig anderes, als würde er (was er natürlich auch gesagt hat) lediglich sagen, dass sie einfach nicht gefallen sind, so wie es die übliche Aussage nach so einer Runde wäre.


    Rory ist nahezu der einzige Grund, aus dem ich überhaupt noch gelegentlich Profigolf ansehe und ich war gestern total enttäuscht. Aber er hat, abgesehen vom Driver, nicht gut gespielt. Er hat die Bälle nicht nah genug ans Loch gebracht und wenn doch, dann hat er die Putts nicht gemacht.

    Addendum: Cameron Smith hat oftmals von vor dem Grün geputtet und sich so in eine gut machbare Situation gebracht, die ihm dann wieder SG+ gebracht hat, weil er dann den einzigen Putt aus 7-12 Fuß gelocht hat. (bsw 17 und 12 oder 13) Rory hat vom Grün geputtet und es dann tot an den Stock gelegt. Rorys erster Putt war da um Welten besser, aber die SGP-Bilanz von Smith schießt in die Höhe und Rorys bleibt durchschnittlich

    Das ist übrigens tatsächlich falsch. Einen langen Putt in eine Distanz ans Loch zu legen, die einen 1-Putt wahrscheinlich macht ist eben nicht “um Welten besser”, als einen mittellangen Putt ins Loch zu befördern. Es fühlt sich aus Fanperspektive so an, vor allem wenn der Leidtragende Rory ist. Ich bin emotional wirklich dabei, aber in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit stimmt es nun mal nicht.

    Wenn es so einfach wäre, dann hätte Rory seine Putts auf der 1, 5 (zum Eagle), 6, 9, 12 oder 17, die alle unter 20 Fuß waren, gemacht. Oder wenigstens die 2-3 notwendigen.


    Ganz davon ab: Rory selbst hat den Reportern nach der Runde gesagt, dass er gestern die Breaks falsch gelesen hat. Er weiß, dass es nicht “Pech” war.

    Und etwas relativierend muss man natürlich dazusagen, dass 2-Putts aus weniger als 30 Fuß immer für leicht negative Werte sorgen. Fiktives Beispiel: macht ein Tour-Pro 18 2-Putts aus 30 Fuß, bei denen der erste Putt immer in unmittelbarer Lochnähe zum Liegen kommt, dann ist sein SG-Putting Wert bei -0,36. Dann muss man aber natürlich wieder sehen: das eigentliche Rory-Problem war das mittelmäßige Spiel auf das Grün (s.o.)

    Beim Putten geht es tatsächlich nur um die Distanz. Und daraus ergibt sich eine statistische Wahrscheinlichkeit, wieviel Schläge ein Tourspieler von dort aus benötigt (Beispiel oben: 2,21 Schläge aus 60, 1,5 aus 8 Fuß). Der Wert eines einzelnen Schlages ist dann die Differenz aus Start- und Zielort minus 1 (für den gemachten Schlag).


    Klar, bei besonders absurden Breaks kann das im Einzelfall schon mal verfälschen.

    Um es nochmal konkret für dieses Turnier zu machen (und damit natürlich 100% on-topic ;))


    Smith hat sehr gut geputtet (6. in der SG Putting Rangliste), aber nicht mal ansatzweise am besten in der gestrigen Runde. Das war KAEWKANJANA, mit +4,7 zu Smiths +2,91 (zitiert nach datagolf, gibt es sicher auch irgendwo anders).


    Aber: Schlechter als Rory waren gerade mal 22 Spieler.

    Nein, das ist absolut falsch. Strokes Gained Putting ist keine qualitative Beurteilung jedes einzelnen Putts. Es nimmt die Ausgangsposition und vergleicht wie viel Prozent aus dieser Entfernung lochen und bildet daraus einen Wert. Wenn Cameron Smith jetzt aus 8 Fuß locht und McIlroy aus 60 Fuß zweiputtet, erhält Smith einen besseren SG-Wert. Aber aus der Distanz von Smith lochen 50 Prozent, aus der von Rory vermutlich unter 1 Prozent. Und wenn Rory das bis an die Lochkante puttet, was ein herausragender Putt ist, bekommt er trotzdem keinen guten Wert dadurch. Strokes Gained Putting als ultimativen Wert zu betrachten, ist Augenwischerei der PGA Tour, die diesen Wert als Ultimo propagiert hat. Es ist sicherlich was dran, aber wer die gesamte Finalrunde gesehen hat, weiß, dass es nicht immer die Wirklichkeit widerspiegelt.

    Das wird jetzt off-topic - eventuell kann das in einen neuen Thread verschoben werden, aber vermutlich verläuft das eh schnell im Sande.

    Das, was ich geschrieben habe, ist sicherlich nicht „absolut falsch“, das was du geschrieben hast aber auch nicht. Richtig ist, dass ein Putt aus 8 Fuß einen SG von +0,5 ergibt und ein Putt aus 60 Fuß auf z.B. 2 Fuß ergibt „nur“ einen SG von +0,2. Er bekommt also bei diesem Beispiel sehr wohl einen „guten“, auch wenn er schlechter ist, als der andere Wert. Insgesamt hat aber eben das Auge getrogen, denn sonst käme kein Wert von -1,25 über die ganze Runde zu Stande.

    Selbstverständlich bewertet SG Putting die Qualität, aber halt mit quantitativen Mitteln. Damit kann sowohl die relative Qualität jedes einzelnen Putts, als auch die Qualität der Puttperformance über eine Runde (oder Turnier, oder Saison…) gemessen werden.

    Aber von seinen Putts (die ich gesehen hatte), waren viele nur den berühmte Hauch am Loch vorbei. Wenn jemand aus mittleren oder größeren Entfernungen so knapp vorbeischiebt, dann tue ich mich schwer mit einer Aussage wie "hat schlecht geputtet".

    Mit Verlaub: Das stimmt nicht. Die Statistik zählt ja eben nicht die Anzahl der Putts, sondern bewertet die Güte jedes einzelnen Putts und darüber wird eine Summe gebildet. Rory war gestern im unteren Drittel des Feldes in Bezug auf Putts und im Mittelfeld bei den o.g. Kategorien. Und deine Aussage, dass alle, die nicht gewonnen haben, schlechte SG-Werte haben, stimmt auch nicht, denn hier geht es ja gerade um einzelne Teilbereiche (Putting, Approach, Rund ums Grün, vom Tee, Insgesamt). Lediglich bei „Insgesamt“ stimmt deine Bemerkung.


    Es ist sogar im Gegenteil so, dass ihn sein mittelmäßiges Wedgespiel sogar bei der Puttstatistik besser hätte dastehen lassen können, da Putts aus größerer Distanz eben (bei entsprechend guter Ausführung) höhere SG-Werte ergeben. Das ist es ja, was Strokes Gained so viel besser macht, als die Anzahl der Putts pro Grün.


    Völlig Recht hast du allerdings mit der Frisur von Smith.

    Ich persönlich hätte mir für dieses große Turnier an diesem phantastischen Ort auch sehr den Meister der Herzen gewünscht.


    Aber nüchtern betrachtet hat er gestern eben nicht nur unglücklich geputtet. Er hat schlecht geputtet (SG: -1,25) und war völlig mittelmäßig bei m Approach (SG: -0,08) und rund ums Grün (SG: -0,06). Blöderweise ist sein Wedgespiel generell nur durchschnittlich, was besonders bitter ist, da er aufgrund seines grandiosen Drivers eben oft seine Wedges bedienen muss.

    Und der Driver war auch gestern wieder erstklassig (SG: +1,63), was dann zu dem Eindruck führt, dass er ja eigentlich gut gespielt hat. Hat er leider, leider gestern nicht.

    Wie gestaltest Du Dir mit dem Ansatz eine "Trainingswettbewerbssituation"?

    Z.B. könnte hier ein Ansatz sein, gegen einen Zielscore zu trainieren. Ungefähr so: Beim Chippen geht es prinzipiell darum, den Ball mit zwei Schlägen ins Loch zu bekommen. Chip-Ins sind gerne genommener Bonus. Je schlechter bzw. besser man grundsätzlich ist, desto höher oder niedriger ist der erwartete Score. Also kann man schematisch sagen, dass der Zielscore Anzahl der gespielten Bälle mal 2 plus individueller Erwartungswert ist.

    Du als Anfängerin könntest dir z.B. das Ziel setzen, dass du auf keinen Fall mehr als 2 Putts nach dem Chip benötigst. Nehmen wir an, du trainierst mit 6 Bällen. Dann ist der Zielscore 6 x 2 plus 6 = 18. Bei einem Profi wäre das vielleicht so, dass der Zielscore 5 Up-and-Downs und ein Chip-In ist, also 6 x 2 plus (-1) = 11.


    Wenn du beim Chip-und-Putttraining also jetzt 6 Bälle nimmst und die rund ums Grün verteilst, dann würdest du dir vornehmen, mit maximal 18 Schlägen alle Bälle im Loch zu versenken. Wenn du das ein paar Mal machst, dann kennst du deinen Erwartungswert immer besser und kannst den anpassen.


    Ich trainiere seit Jahren auf diese Weise das kurze Spiel und kann mich immer wieder damit motivieren, meinen Score zu schlagen. Ich rechne immer noch einen gewissen Faktor für die gewählte Schwierigkeit der Ballagen ein, aber das kannst du dann mit der Zeit selber rauskriegen.

    Chipper ist für mich der sinnloseste Schläger überhaupt. Der kann nix was man mit anderen Schlägern nicht besser machen könnte.

    Hast du es ausprobiert?


    Ich glaube auch, dass ich den nicht lange verwenden werde. Aber er hat eindeutige bauartbedingte Vorteile mit der breiten Sohle und dem flachen Lie sowie dem kürzeren Schaft. Eigentlich so ähnlich, wie ein Hybrid Vorteile gegenüber langen Eisen hat - auch wenn ich mir keinen ähnlichen Performancezugewinn verspreche.


    Mein Chippen ist das mit Abstand schärfste Werkzeug in meinem Koffer. Aber ich glaube, dass ich beim Chip and Run mit mittleren Eisen noch besser werden kann. Und ich kann mir vorstellen, dass 1. ich durch die andere Körperhaltung am Ball etwas darüber lerne, wie ich es besser machen kann und 2. durch das neue Gerät ein paar Wochen mehr Motivation habe.


    Abgesehen davon habe ich ohnehin meistens nur 12 Schläger im Bag, da kommt es also eh nicht drauf an.

    Ich fand ein Lobwedge schon immer zu fehleranfällig. Das gleicht die 5 guten Schläge, von denen 4,75 kein bisschen schlechter mit dem 56er gewesen wären, einfach nicht aus, wenn man einen richtig schlecht trifft. 56 Grad ist wesentlich stressfreier. Dazu noch 52 Grad und alles andere, was das Bag hergibt rund ums Grün.


    Und ich habe mir jetzt meiner YouTube-Marketingblase nachgegeben und einen Chipper bestellt, bin schon ganz gespannt.

    Ach was, Ironie, der cludwig hat doch Recht. Das ist ein Golfforum hier. Spirit of the game! “Da könnte man mir auch gratulieren, keine Bank ausgeraubt zu haben” und so weiter. Gesetze werden hier per Definition eingehalten und wir kontrollieren uns selbst. Alles Ehrenmänner hier. Vor allem Winglet und Jazzwoman, wenn ich das richtig verstanden habe.

    Sollten sie auch nicht. Dadurch dass es ein geschlossener Circuit ist, würde es die Weltrangliste komplett manipulieren zugunsten der LIV Spieler

    Ich finde auch, dass sie das nicht sollten. Allerdings habe ich vor ein paar Tagen mal das neue OWGR-System ein wenig zu verstehen versucht, das ab August gelten wird. Dort ist bei der sehr relevanten Berechnung der jeweiligen Feldstärke von der Summe der Strokes Gained-Werte der Teilnehmer der Rede. Das heißt, dass die Feldstärke direkt von der Anzahl der Teilnehmer bestimmt wird. Daher sollten die kleinen LIV-Felder nicht sehr viele Punkte abwerfen. Zudem findet sich die Aussage, dass im zukünftigen System die Vergabe der

    Punkte für diejenigen Spieler erfolgt, die den Cut geschafft haben und das

    Turnier beendet haben.


    Die 54-Loch-Formate waren in der Vergangenheit (für die Zukunft konnte ich nichts finden) zudem recht schwach bewertet; auch das wird sicher bei einer etwaigen Inklusion berücksichtigt werden. Andererseits werden zukünftig alle Spieler (bisher nur bis Platz 200 der Rangliste) Einfluss haben, so dass auch Kaymer und Co. Punkte für die Feldstärke brächten.


    So wahnsinnig viele Punkte könnte man also bei LIV-Events nicht sammeln, selbst wenn sie zukünftig berücksichtigt werden sollten.


    Es könnte dann allerdings auch so sein, dass die Zirkusveranstaltungen dann rasch doch wieder zu vollwertigen Veranstaltungen gemacht werden und die ach so wertvollen Ergänzungen für den Golfsport (kleine Felder, verkürztes Format) einkassiert werden.


    Insgesamt - wie bei dem ganzen Thema - ist das alles mit sehr viel Konjunktiv verbunden.


    Hier übrigens noch ein gut geschriebener Artikel des hochgeschätzten Michael Bamberger zum Thema LIV: Money! Money! Money!

    99% der Leute sind auf dieser Linie

    Das ist selbstverständlich Unsinn. Eine Mehrheit ist es derzeit mit Sicherheit, aber keineswegs eine derartige. Umfragen sehen ca. 40 % Befürworter, wenngleich der Trend zuletzt leicht rückläufig war. Das war im letzten Jahr in der FAZ zu lesen, die vermutlich das Schreiben endgültig einstellt, sobald sie gendern sollten.


    Ich vermute, dass die Quote unter Golfspieler:innen erheblich höher ist. Sicher liegt sie auch dort nicht bei 99%.

    Hat Dich schon einmal einer verklagt, weil Du keine Chips aus dem Rough an die Fahne legen kannst?

    Eben nicht, denn ich versuche ja, mich auf die offensichtliche Schwierigkeit einzulassen. Dazu muss ich es aber als Herausforderung betrachten und nicht als Bedrohung meines Rechts auf einfache Balllagen.